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Shankha-Muschelhorn-212

Shankha-Muschelhorn-212

Allgemein

Auf den Fotos weiter unten seht ihr das Shankha-Muschelhorn-212. Das Muschelhorn bzw. Schneckenhorn wird im indischen Sprachraum „shankha“ genannt auf tibetisch heißt es „dung dkar„. Es ist neben der Keule, dem Rad und der Lotosblume eines der vier Hauptattribute des Hindugottes Vishnu. Nach einer nepalesischen Sage ist die Königsstadt Bhaktapur auf Vishnus Shanka erbaut worden. Weiterhin ist es ein wichtiges Attribut der Hindu-Göttin Durga und gehört überdies zu den ‚Acht Glückssymbolen‘ (ashtamangalas) der drei in Indien entstandenen Religionen Buddhismus, Hinduismus und Jainismus. Das Muschelhorn ist akustisch eng verbunden mit der mit tiefer Stimme artikulierten heiligen Silbe „Om“.

Ursprung

Das sogenannte ‚Muschelhorn‘ ist aus dem Gehäuse der im Indischen Ozean lebenden ‚Echten Birnschnecke‘ (Turbinella rapa, syn. Turbinella Pyrum) gefertigt, welches manchmal an den Küsten des Indischen Subkontinents angeschwemmt wird. Korrekterweise handelt es sich somit nicht um ein „Muschelhorn“ sondern um ein „Schneckenhorn“, da die erstere Bezeichnung aber gebräuchlicher ist, habe ich sie in diesem Beitrag auch mehrmals verwendet.

Irgendwann entstand die Idee, aus dem Gehäuse ein Blasinstrument herzustellen.

Verwendung

Meeresschneckentrompeten (bzw. Muschelhörner) werden für buddhistische Klöster i.d.R. als Paar angefertigt. Sie werden für verschiedene Rituale eingesetzt. In den meisten tibetischen Klosteranlagen werden die Mönche morgens um fünf Uhr durch das Schlagen eines Gongs geweckt. Dann lädt der langgezogene Ton der beiden Shankhas, die von zwei Mönchen auf dem Klosterdach geblasen werden, die Klostergemeinde ein, sich zur großen Versammlungshalle zu begeben. Dabei wechseln sich die beiden Bläser ab, so dass ein konstanter und fortlaufender Ton erzeugt wird. Dieser Ton kann durch langsames An- und Abschwellen der Lautstärke moduliert werden. In Verwendung als Blasinstrument werden Anfertigungen wie das Shankha-Muschelhorn-212 auch die „weiße Meeresschnecken-Trompete“ (tib.: chos dung dkar po) bezeichnet.

Das Gehäuse der Meeresschnecken wächst -von der Spitze aus betrachtet- normalerweise im Uhrzeigersinn (ist also „rechtsgewunden“). Ungefähr unter einer Million Schnecken kommt eine mit einem „linksgewundenen“ Gehäuse vor (situs inversus), diese gelten als besonders wertvoll. Nach tibetischen Texten soll diese seltene Variante nur dann entstehen, wenn die Lebewesen zuvor fünfmal als Meeresschnecke wiedergeboren wurden. Die Tibeter bezeichnen die Drehrichtung des Schneckengehäuses allerdings umgekehrt, anders als die Zoologen nämlich von unten, der Blickrichtung des Gehäuseausganges her. Eine aus naturwissenschaftlicher Sicht „linksgewundene“ Meeresschnecke, würden die Tibeter als „rechtsgewunden“ beschreiben. In einigen tibetischen Klöstern soll es wertvolle (nach zoologischer Betrachtungsweise) „linksgewundene“ Meeresschneckentrompeten geben. Nach meinen Recherchen werden die Begriffe „rechtsgewunden“ und „linksgewunden“ aber auch schon mal von Experten verwechselt (vgl. Tibet, Klöster öffnen ihre Schatzkammern, Kulturstiftung Ruhr, 2006).

Herstellung

In Tibet wird die Meeresschnecken-Trompete längs geblasen (in einigen Regionen wie z.B. Osttimor wird sie quer angesetzt.) Zur Herstellung des Blasinstrumentes wird das Endstück der Gehäusespitze abgeschnitten, um ein Anblasloch zu erhalten. Über diesem Loch wird anschließend das Metallmundstück mit einer besonderen Kitmasse fixiert. An dem entgegengesetzten Ende montiert man dann einen Schalltrichter an. Am nach außen gerichteten Rand des Ausganges vom Schneckengehäuse wird schließlich noch ein metallener Flügel angebracht. Hierdurch wird der Luftstrom reguliert und ein größerer Resonanzkörper geschaffen, der dem Instrument einen vollen und tiefen Klang verleiht.

Beschreibung

Das Shankha-Muschelhorn-212 stellt eine künstlerisch hochwertig verarbeitete Meeresschnecke dar. Das Mundstück, der Schalltrichter und der Flügel ist mit fein ausgehämmertem Silberblech ausgekleidet (Pflanzenornamente von umlaufenden Perlbändern abgegrenzt.) Auf der Außenseite des silbernen Flügels ist ein Cabochon aus roter Koralle, umgeben von zwei Türkisen eingearbeitet. Das Ende des Schalltrichters wird ebenfalls von einem großen Türkis-Stein abgeschlossen. Die Oberfläche des weißen Schneckengehäuses ist zu einem Relief ausgeschliffen und farblich gestaltet. Auf der Vorderseite sehen wir eine große Rosette mit 8 angedeuteten Blütenblättern. Ihr kleiner Kreis im Zentrum zeigt das „Ying- und Yang- Zeichen“ in den Farben gelb und grün. Der äußere größere Kreis ist in 8 Sektoren aufgeteilt, in denen die „Ashtamangalas“ – 8 Glückszeichen- eingraviert sind. Links davon sehen wir weitere farblich ausgeschmückte Schriftzeichen. Rechts neben der Rosette ist in rot-orangen Tönen ein Dharmachakra „Rad des Gesetzes“ eingraviert.

Beim Anblasen wird das Shankha-Muschelhorn-212 an der Seite des Mundes angesetzt und so gehalten, dass der metallene Flügel nach oben weist. Länge ca. 26 cm, Breite ca. 12 cm.

bild von Shankha-Muschelhorn-212 in laengsansicht
Muschelhorn mit Ashtamangalas und Verzierungen
abbildung mit weiteren details zu Shankha-Muschelhorn-212
Dharmachakra und Innenseite des silbernen Metallflügels
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Kapala-219

Kapala-219

sanskrit für Schädelschale, tibetisch „thod pa“. Ritualgegenstände wie das Kapala-219 werden für tantrische Zeremonien benutzt. Dabei wird -symbolisch- der gefangene Dämon mit einem Hackmesser (Kartika) zerstückelt, das Blut in einer Kapala aufgefangen und getrunken. Damit nimmt der Trinkende die Weisheit und die Energie des Dämons in sich auf und kann sie künftig „positiv“ einsetzen.  Die Kapala ist ein wichtiges Attribut für einige tantrische Gottheiten z.B.

Anfangs wurden die Kapalas aus der Kalotte menschlicher Schädel gefertigt. Mit der Zeit ging man immer mehr dazu über sie aus Bergkristall heraus zu schleifen. (Der klare Bergkristall gilt in allen Kulturen als Heil- und Zauberstein, soll Dämonen und Krankheiten vertreiben, kräftigend wirken und Blockaden lösen). Die Herstellung von großen Schädelschalen aus Bergkristall ist sehr schwierig, da recht große Kristalle gefunden werden müssen, die dann in mühevoller Handarbeit -traditionell mit Sand und einfachen Werkzeugen- bearbeitet werden und zwar so präzise, dass ein Zerspringen des Kristalls vermieden wird. Die Bearbeitung ist sehr zeitaufwendig und benötigt mehrere Monate oder Jahre!

Das hier abgebildete Kapala-219 besteht aus einer gefassten Schädelschale aus Bergkristall (Länge x Breite x Höhe = 21 x 15 x 10 cm) mit einem Deckel aus fein ziseliertem, feuervergoldetem Kupfer. Rings um den Rand des Deckels sind Halbedelstein-Cabochons aus Türkisen und roten Korallen eingearbeitet. Oben im Deckel steckt -im Zentrum eines Doppel-Vajra- ein Totenkopf aus Bergkristall (H x B = 6,0 x 3,5 cm). Das ganze ruht in einem Ständer aus getriebenem, feuervergoldetem Kupfer. Gesamtmaße: H x B x T = 35 x 15 x 21 cm.

Hochwertige Handarbeit aus der Himalaya-Region, die Schädelschale aus Bergkristall entspricht von den Abmessungen her in etwa der Größe einer menschlichen Schädelkalotte. Die Metallteile wurden mit dem Hammer getrieben und fein ziseliert. Sie stellen Pflanzenornamente und buddhistische Symbole dar. Durch die Feuervergoldung wirken sie in einem angenehmen Kontrast.

Kapala-219 gesamtansicht von vorne
Gesamtansicht von Kapala-219
seitenansicht von kapala-219
Seitenansicht
Kapala-219 ansicht von hinten
Ansicht von hinten
das Kapala-219 von oben aus betrachtet
Gesamtansicht von oben
deckel des kapala-219 ohne totenkopf
Deckel des Kapala
(Totenkopf entfernt)
der totenkopf aus dem deckel von Kapala-219
Bergkristall-Totenkopf (aus dem Deckel)
schaedelschale des Kapala-219 von vorne aus betzrachtet
Schädelschale aus Bergkristall von vorne
schaedelschale seitenansicht
Schädelschale von der Seite
schaedelschale aus bergkristall aus der vogelperspektive
Schädelschale von oben
rueckansicht der schaedelschale zu Kapala-219
Rückansicht der Schädelschale
staender fuer Kapala-219 aus vergoldetem kupfer
Ständer aus vergoldetem Kupfer

 

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Phurba-220

Phurba-220

tibetisch für Ritual-Dolch, sanskrit: Kila, Phurba-220 ist ein dreiseitiger Ritualgegenstand bzw. Geisterdolch der in den schamanistischen Traditionen der Himalayaregion sowie im Buddhismus verwendet wird. . Er sollte daher nicht als eine physische Waffe gesehen oder verwendet werden, sondern als ein spirituelles Hilfsmittel.

Ein Phurba dient dazu Dämonen und Krankheiten auszutreiben. Eine weitere Verwendung ist das Binden und Niederhalten „negativer Energien“ und zur Reinigung des Umfeldes. Ein Phurba kann aus verschiedenen Materialien oder Materialkomponenten hergestellt sein, z.B. Messing oder Bergkristall. Tibetische Lamas können angeblich mit Kristall-Geisterdolchen Heilungen vollbringen. Dazu legen sie das Ritualobjekt auf die erkrankte oder schmerzende Körperpartie des Patienten und rezitieren dazu Mantras, die die Heilkraft konzentrieren und durch das Kristallobjekt in den Körper einfließen lassen.

Der dreikantige „Knauf“ des Phurba-220 symbolisiert Dorje Phurba. Hier dargestellt durch die Hälfte eines Dorje (Vajra) aus Silber und drei in das Bergkristall geschliffene Gesichter. Eines davon ist freudvoll, eines friedlich und eines zornig. Der runde „Griff-Teil“ hat in das Bergkristall geschnittene Baluster und wird oben als auch unten von einem Silberband mit jeweils drei fein herausgearbeiteten Gesichtern begrenz. Die „Klinge“ des Phurba-220 hat wieder eine dreikantige, nach unten spitz zulaufende Form mit eingeschnittenen Gesichtern. In der Meditation vernichtet jede Klingenkante eine der drei Grundübel: Gier, Hass und Unwissenheit. Länge: 18,5 cm, Durchmesser: ca. 4,0 cm.

siehe auch Vajrakila (Dorje Phurba).

komplette abbildung des Phurba-220 aus bergkristall
Phurba-220 aus handgeschliffenem Bergkristall und Silberverzierung

 

details der aus bergkristall geschnittenen gesichter des vajrakila beziehungsweise dorje phurba
Detail, die Gesichter des Dorje Phurba (Vajrakila)